Schattenspiel
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Inhaltsverzeichnis
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Der Anfang
Ich sah, wie die Morgenröte über dem Nebel tanzte und der Allereinzigste rief: „Morgenstern komme!“ und so wurde es hell in der Welt. Und die Schatten zogen hinfort von jenem Licht und versuchten sich zu verstecken. Vor den Augen der Phantome wuchsen aus dem Ödland Wälder und die Wüsten überzogen sich mit grün. Und allerlei Leben regte sich darin. Und das gläserne Volk herrschte im Namen des Allereinzigsten über das Land. Sie aber waren alle Fürsten und Priester zugleich.
Dann sah ich, dass es in jener Stadt eine Bibliothek gab, und darin fanden sich allerlei Schriften von den Phantomen verfasst. Und sie lasen oft von den guten Dingen des Lebens. Eines der Bücher aber war nicht für die Augen der Gläsernen bestimmt, denn es enthielt die Geschichte, vom Krieg zwischen Licht und Dunkelheit. Der Allereinzigste hatte angeordnet, dass es nicht gelesen werden dürfe, da sich sonst die Dunkelheit wieder ausbreiten könnte. Da aber schlich sich Lichterpracht hinein in die Stadt der Gläsernen und sprach: „Wie kommt es, dass ihr Fürsten und Priester seid und doch nicht alle Bücher lesen dürft? Denkt denn der Allereinzigste ihr während zu unverständig? Ich aber sage euch, schlagt das verbotene Buch auf, und schon werdet ihr mächtiger als je zuvor. Und so werdet ihr bessere Fürsten und Priester.“ Und so taten sie es. Und als sie das Buch öffneten, siehe da verloren die gläsernen ihre Klarheit und wurden trübe und dunkel. Als sie dies erkannten flohen sie aus der Stadt und versuchten sich in den Schatten zu verbergen, denn das Licht, welches vom heiligen Berg hinunter schien, blendete sie. Und sie hatten Angst. Der Allereinzigste aber sprach: „Niemals aber soll wieder etwas Dunkles auf meinen Berg kommen.“ Und zwischen dem Berg und dem Ort wo die Gläsernen in den Schatten waren, bebte die Erde und es riss sich ein tiefer Spalt zwischen die Welten.
Morgenstern meldet sich
Und ich sah, wie die Phantome um den Thron standen, und sie sprachen: „Du siehst Allereinzigster, wie die Gläsernen in Ketten von deinem Angesicht genommen wurden und mit den Schatten des Ödlands gezerrt wurden.“ Der Allereinzigste aber sprach: „Wer will gehen und mir meine Kinder zurückholen?“ Da aber schwiegen alle, denn sie alle waren weniger stark als Lichterpracht. Dann aber trat Morgenstern vor und sprach: „Ich will hingehen und dir Schattenfluch als Gefangener zurück bringen.“ Der Allereinzigste aber schwieg. Doch dann sprach er: „Du weißt, dass dies dein Tod bedeuten wird.“ Da waren aber alle empört. Er aber sprach: "Ich weiss es!" Und so verwandelte ihn der Allereinzigste vor ihren Augen in einem Menschen. Und sie alle waren erschrocken, als sie dies sahen. Und sie alle sahen, wie sich die Morgenröte vom Himmel löste und vor ihnen zu einer Gestalt wurde, die da sprach: „Allereinzigster, lass mich mit ihm ziehen, ich aber werde ihn umhüllen, damit ihm nichts wiederfahre.“ So sei es, sprach der Allereinzigste. Und siehe, Die Morgenröte wurde zu einem grauen Mantel, welcher sich Morgenstern umhängte. Und er verabschiedete sich und zog hin. Und als er weg war, siehe, da war der Allereinzigste blass, und es schien ein Teil von ihm zu fehlen. Da aber erkannten sie, wer Morgenstern war.
Die Ankunft der Monde
Dann aber sah ich im Sichtreich die Ankunft der Monde. Die Sonnenfinsternis aber war Schattenfluch, denn er vermag es kurze Zeit das Licht zu stehlen um selbst gesehen zu werden. Der Blutmond aber ist Todeskling, denn das Blut seiner Opfer steigt bis hoch in den Himmel. Der Vollmond aber ist Blickeslust, denn hell leuchtend preist sie sich zur Verführung an. Der Leermond aber ist Schattenhand, denn unsichtbar ist sie und ihre Pläne. Der Halbmond aber ist Lügenzung, denn nur ein Teil dessen was er sagt ist wahr und so erscheint das Licht andere Form zu haben. Der Sichelmond aber ist Narrentrunk, denn nur ein kleiner Teil scheint hell, scheif am Himmel.
Die Sphinx fragte ihren Lehrer: „Weiso aber hat Zwiegeschalt nicht auch einen Mond?“ Da antwortete die Meistersphinx: „Das Böse führt zum Tod. Heisst das, dass der Tod böse ist? oder ist es nicht das Ergebnis des Bösen?"
Da sprach Schattenfluch: „Jeder von euch suche sich aber ein angesehenes Wesen und erfülle es mit seinem Geist, damit jeder einen Botschafter habe unter den Menschen. Und sie sollen den Menschen zeigen, dass wir göttlich sind und würdig angebetet zu werden.“ Da aber zogen sie los und ein jeder fand einen Vertreter.
Schwindelrat, Botschafter von Lügenzung
- Die Sphinxen waren im Zeitalter der Phantome an der grossen Klippe. Da kamen aber die Phantome hinunter vom heiligen Berg, da die Zeit der Tage und Nächte begonnen hatte. Die Sphinxen aber sprachen: „Der Gott Gedankenfels hat uns gesendet, nach Reinherz zu suchen. Wir können aber diesen Graben nicht überwinden. Was aber seit ihr? Die ihr von der anderen Seite kommt.“ Lügenzung aber sprach, wie immer die halbe Wahrheit und hielt die ein Teil geheim: „Wir kommen vom heiligen Berg. Wir wurden erschaffen vom Allereinzigsten als Herrscher. Und nun sind wir gekommen, um auch über das Sichtreich zu herrschen.“ Die Sphinxen aber erkannten nicht, dass sie Verbannte waren und begrüssten sie als ihre Herren. Seither sind die Monde am Himmel des Nachts sichtbar. Der jüngste unter den Sphinxen aber kam zu Lügenzung und sprach: „zu verblendet sind meine Geschwister und auch meine Lehrer, dass sie nicht erkannten, dass du dir mit Unwahrheit Recht auf Macht genommen hast. Ich aber erkannte die Lüge in deiner Zunge.“ Da lachte Lügenzung und sprach: „Auch ich habe gesehen, dass du nicht Reinherz suchst sondern deine eigene Wahrheit. So lass mich dir jene Zeigen.“ Und so kam es, dass Lügenzung ihm sein Wissen gab und er erzählte ihm die Lüge des Botschafters:
Die Lüge des Botschafters
- Es war aber so, dass Zornhand im Krieg war mit dem Herrscher von Fernort. Da aber sandte das Volk von Fernort ein Botschafter hin, um den Frieden zu erhandeln, und sie gaben ihm das Messer ihres Anführers als Zeichen mit indem sie dachten so zu zeigen, dass sie sich unterwerfen. Das aber hörte der Berater des Zornhand und dachte bei sich: „Was bringt mir der Friede mit Fernort? Meine Schmieden aber verkaufen so viele Waffen wie nie zuvor.“ So kam es, dass er zu Zornhand sprach: „Siehe meine Späher haben mir berichtet, dass ein Assassine naht, dich zu töten. Er aber wird sprechen, er sei ein Botschafter auf Friedensmission. Siehe aber, in seinem Gepäck hat er eine Waffe, welche er in dein Haus schmuggeln will. Und siehe, er sagt damit, dass es nur unser Verderben ist welches er will, und er nicht verhandeln will “ Da aber wurde Zornhand wütend und liess ihn gefangen nehmen, noch bevor er seine Stadt betreten konnte. Als er aber hingerichtet wurde, siehe da sandte der Berater einen Botschafter zum Herrscher von Fernort und sprach: „Siehe ich habe deinen Botschafter hingerichtet, da sein Geschenk meines Fürsten Zornhand unwürdig war. Und siehe ich sage dir, dass es nur euer Verderben ist, welches ich will, und ich nicht verhandeln will.“ So aber wurde durch kleine Lügen ein grosser Krieg.
- Als Lügenzung ihm dies lehrte, dachte sich der jüngste unter den Sphinxen: „Ich will ein Lehrer sein, dieser Kunst.“ Und er zog hinfort unter dem Namen Schwindelrat und wurde ein Meister der Sphinxen, und viele Menschen suchten ihn auf, um zu lernen Fragen zu stellen, welche nur die Lüge als Antwort haben konnten. So wurde er zum Botschafter von Lügenzung.
Kerbhorn, Botschafter von Schattenfluch
- Schattenfluch aber dachte bei sich, ich werde einen Botschafter suchen, welcher ein Wahrer Herrscher ist. Nicht ein Handlanger, welcher keine Entscheide treffen kann. Sonder jemand, der vor nichts zurückschreckt, wenn es um Macht geht. Denn der Schwache wird überwunden. So schaute er um sich und siehe, aus seinen Reisen durch Sichtreich erzählte man ihm von Kerbhorn, dem Gehörnten. Die Geschichten aber waren jene:
Kerbhorn und Loderglut
- Kerbhorn aber lief noch bevor die Menschen in Sichtreich herrschten durch die Wildnis und siehe, da sah er einen Blitz einschlagen, denn der Sturm war aufgezogen. Loderglut aber war es, welcher vom Blitz ausging und einen Baum verschlang. Kerbhorn aber staunte und fragte: „Wer bist du?“ Loderglut war überrascht und sprach: „Was bist du für ein Tier. Dass du nicht Angst vor mir hast?“ Kerbhorn aber sprach: „Angst habe ich keine, denn ich habe die Kraft gesehen, mit der du diesen Baum in Windeseile zerstört hast. Zeige mir jene Kraft.“ Da aber zögerte Loderglut und sprach: „Ich aber bin gesendet worden um den Menschen das Feuer zu geben, du aber bist ein Tier. So scheint es mir nicht gut, dass du solche Macht erlangtest.“ Doch Kerbhorn liess nicht los und überzeugte ihn, so dass Loderglut ihm das Feuer offenbarte. Kerbhorn aber ging zurück zu seinem Stamm und vertrieb Rammhorn, seinen Bruder und Hüter des Stammes. Und er wurde der neue Hüter.
- Als Schattenfluch jene Geschichte erfuhr, siehe da erschien er Kerbhorn und sprach: „Ich habe von deinem Umgang mit Feuer gehört und gesehen, wie mächtig du bist. Nun stehe ich vor dir und bin beeindruckt.“ Kerbhorn aber fühlte sich geehrt und spürte die Absicht Schattenfluchs nicht. Schattenfluch sprach weiter: „Ich habe dir nun aber eine grössere Macht als das Feuer, denn ich weiss von einem Erz, dass die Löwenhaar bald entdecken werden. Ich aber sage es dir als Bewunderer, da ich denke, dass dir solche Macht zusteht. Dieses Erz wurde Machterz von den Letzten die es fanden genannt. Nimm es an dich und du wirst sehen, dass dir niemand in Zauberei nachstehen kann.“ Kerbhorn dankte für diese Botschaft und sprach: „Fürst der Anderswelt, wie kann ich dir danken für die Offenbahrung dieses Geheimnisses?“ Schattenfluch aber sprach: „Sei mein Botschafter, mein Abgeordneter. Ich will nur dein Bestes, dass du der Beste bist und bleibst. Dass du jener bist, der alle überwindet, wie das Phantom aus der Flasche.“ Kerbhorn aber kannte diese Geschichte nicht, denn er hatte weniges von Menschen gehört, so erzählte ihm Schattenfluch jene Geschichte:
Das Phantom aus der Flasche
- Es kam so, dass ein Beschwörer hinausging in die Wüste und bei einer abgelegenen Höhle, von der es hiess, sie sei verflucht, ein Ritual durchführte, welches das Böse fernhalten sollte. Er hatte an seinem Wagen eine Ziege angebunden, welche er vom nahe gelegenen Dorf bekommen hatte. Er legte die Ziege hin wie ein Opfer. Doch in seiner List füllte er ein Teil des Blutes in eine Flasche, die er dabei hatte. Er rief den Verflucher des Ortes an, er möge kommen und sein Opfer annehmen. Da tauchte ein Phantom auf, welcher diesen Ort seit Generationen aufsuchte. Gierig stürzte er sich auch das Opfer. Als er fast fertig mit dem aussaugen war, packte das nach Blut gierige Phantom den Beschwörer: „Wo ist der Rest des Blutes, das hier kann nicht das ganze sein.“ Der Beschwörer zeigte seine Flasche und log: „Ich wollte etwas davon für mich selbst haben.“ Schnell hatte das Phantom die Flasche geschnappt und als es hinein glitt, um den letzten Tropfen zu schlürfen, versiegelte der Beschwörer die Flasche mit einem Zauber und das Phantom war gefangen. „Sobald du mich loslässt“, sprach das Phantom, „werde ich dich töten. Du kannst die Flasche nicht ewig versiegeln!“
- Unterwegs in die Stadt versuchte der Geist den Beschwörer zu überlisten: „Wenn du mich freilässt, gewähre ich dir einen Wunsch. Du weißt mir ist viele Macht gegeben.“ Der Beschwörer jedoch spürte die Hinterlist in dessen Stimme. Er stellte seinen Wagen ausserhalb des Dorfes hin, trat auf den Dorfplatz und verkündete seine Tat. Im Dorf war die Freude gross über das verschwinden des Phantoms, denn er hatte viele Menschen dazu gebracht, sich zu verirren, und hat ihnen den Verstand in der Wüste geraubt. So gab es ein Fest. Nur einige wenige waren misstrauisch und dachten bei sich: „hat er tatsächlich gegen ein Phantom gewinnen können? Oder war auf das Illusionsspiel der Phantome hereingefallen?“
- Es kam aber dass ein Bettler, welcher sich Tagsüber mit Wein und Schnaps zudröhnte zum Wagen des Beschwörers kam. Diesen durchsuchte er nach etwas Essbarem. Dabei stiess er auf die Flasche mit dem Phantom. Er packte sie und verzog sich auf eine Sanddüne ausserhalb des Dorfes, um nicht als Dieb erwischt zu werden. In der Hoffnung es handle sich um etwas Berauschendes öffnete er es und wollte trinken, als das Phantom herauskam und ihm die den Lebensatem stahl. Schnell kamen die Tiere der Wüste und begannen von ihm zu zehren. Als jemand aus dem Dorf ihn entdeckte, war ihm am Starren, erschrockenen Gesichts des Toten klar, dass es sich beim Mörder um ein Phantom gehandelt haben muss, sofort wurde der Beschwörer gesucht aus dem Dorf herausgeschleppt und hingerichtet durch die Axt. Denn sie sagten sich: „Dieser Scharlatan hatte uns betrogen, er hatte uns um eine Ziege, ein Fest um des Ansehens willens vorgeschwindelt er hätte das Phantom verbannt.“ Das Phantom jedoch lachte über den Tag, hatte er doch ein Opfer erhalten und zwei Menschenleben beendet. Zudem lachte er, da er den Menschen überlistet hatte, denn er hatte ja die List mit der Flasche vorausgesehen. Doch als er sah, wie es kommen würde, spielte er mit.
Eine Sphinx fragte ihren Meister: „Wieso kehren die Phantome, wenn sie doch die Zukunft, und somit die Konsequenz ihres Handelns, die Bestrafung sehen, nicht von ihrem Verhalten um?“ Die Meistersphinx antwortete: „Würden den die Menschen nicht auch nicht umkehren, wenn sie das Selbe tun könnten?“
- Als er aber Schattenfluch fertig erzählt hatte, glänzten die Augen Kerbhorns und die Machtgier wuchs in seinem Herzen. Und er verkaufte sein eigenes Volk als Sklaven und liess ihre Hörner als Schmuck den Menschen verkaufen und mit dem Geld erkaufte er sich grosse Vorräte an Machterz. Und er wurde der grösste Zauberer von Sichtreich. Und alle fürchteten ihn und seine Willkür war grenzenlos. So aber fand Schattenfluch seinen Botschafter.
Natterhatz, Botschafterin von Blickeslust
- Blickeslust aber war zu jener Zeit, als sie ins Sichtreich kam unterwegs in den Wäldern. Die Gläsernen waren noch nicht angekommen und so suchte sie sich unter den Tieren einen Botschafter. Da kam sie zu Fallenlist und sprach: "Eure Frauen die Pflanzen, die stillen, sind zu jeder Zeit am selben Ort. Ihr aber, Söhne der Wildmähne seid frei. So ein Botschafter brauche ich, doch ihr seit keine Frauen." Fallenlist aber sprach: "Wieso aber soll dein Botschafter eine Frau sein? Bin nicht ich in meiner List der Inbegriff für dein Wesen?" Sie aber lachte und sprach: "Kennst denn du die Geschichte von Treudank in der Falle nicht?" Da erzählte sie ihm die Geschichte:
Treudank in der Falle
- Es war aber zu jener Zeit, als ein Treudank, Anführer der Fleisshände hinausging um die Riesen zu töten. Er aber war unbesigbar, denn das Licht des Allereinzigsten war auf ihm, so dass er selbst mit einem gewöhnlichen Stein die Bestien erschlug. Es kam aber so, dass er an einem Abend, als er sich auf der Reise befand, da erschien ihm Schattenfluch und sprach: "Wieso jagst du meine Geschöpfe?" Er aber antwortete: "Sie sind meinem Volk, den Fleisshänden und dem Allereinzigsten ein Dorn im Auge. So will cih sie alle auslöschen!" Schattenfluch aber sprach: "Bist du denn nicht müde vom vielen Kriegen? Willst du dich denn nicht zur Ruhe setzen für einen Abend" Treudank aber fluchte ihn an und sprach: "Du willst mir eine Falle stellen, doch ich sehe deine Absicht. Du willst meine Augen wegführen vom Kampfplatz, aufdass du mein Heer, verängstigen kannst, da ich nicht in der vordersten Reihe stehen kann." Schattenfluch erkannte, dass es schwer würde, ihn abzulenken und zog weg.
- Dann aber kam ich, Blickeslust zu meinem Vater als ich die hörte und sprach: "Vater Lichterpracht, Vater Lichterpracht. Lass mich hingehen, denn ich kenne die Herzen der Männer." Und so sandte er mich zu ihm hin. Ich sandte ich die schönste meiner Sklavinen hinüber auf die andere Seite des Sees. Dort zog sie sich aus und begab sich ins Wasser. Treudank, welcher zu dieser Abendszeit sich immer im See erfrischte, sah sie und sogleich wollte er sie für sich haben, denn er hatte in der Zeit des Krieges seine Frau nicht bei sich und auch sonst keine Frauen gesehen. Als er aber zu ihr hinüberschwamm, siehe da ging sie aus dem Wasser. Sie tat so, als würde sie ihn nicht sehen und ging auf die andere Seite des Sees, so dass Treudank zurückschamm. Kaum angekommen aber war sie erneut am anderen Ufer, so dass Treudank erneut auf die andere Seit schwamm. So wiederholte ich das Spiel, und Treudank erkannt nicht, dass es eine List war, denn seine Augen waren verzaubert von meiner Dienerin. Erst als alle Kraft aufgebraucht war, liess ich ihn die Slavin erreichen. Da aber war seine Lust vom Warten so gross geworden, dass er so lange bei ihr war und den Krieg vergessen hatte. Ich aber hielt ihn ein Tag fern vom Krieg.
- Als er wieder zurück im Lager war. Siehe, da verwandelte sich mein Vater in die Geschtalt eines Priesters des Allereinzigsten und sprach zu ihm: "Der Allereinzigste hat mir gesagt, dass du deiner Frau Zartklang untreu warst, und mir geboten, dich vom Krieg abzuziehen, da du unwürdig in seinen Augen geworden bist." Da wurde Treudank seine Schuld bewusst und er hielt sich weitere Tage fern vom Krieg, bis er erkannte, dass es unsere List war.
- So erzählte Blickeslust ihm, wie es geschehen war und sprach: "Eine Frau aber hat zu Stande gebracht, was selbst die Dunkelheit nicht konnte. So soll auch mein Botschafter eine Frau sein." Fallenlist aber sprach: "Wir aber sind nur Männer in meiner Familie. Doch siehe unter meinen Kindern, den Tiergeistern sind auch Frauen. So nimm dir eine unter meinen Töchtern zu Botschafterin." Sie ging hinauf zu dem Hain des Fallenlist und begutachtete seine Kinder. Unter ihnen war auch Natterhatz, die Schnellste unter ihnen mit viel Erfahrung in der Jagd. Und Blickeslust sprach zu ihr: "Du sollst meine Jägerin werden, und dein Gift das Gift im Körper meiner Opfer." Und so wurde Natterhatz Botschafterin der Blickeslust.
Glimmerkampf, Botschafterin von Mordgier
- Mordgier aber rannte los in das Land der Menschen und streckte so viele er konnte nieder. Und schon bald sah er, wie die Menschen angesteckt von seiner Gier nach Blut begonnen hatten, sich gegenseitig auszurotten. So lehnte er sich zurück und betrachtete das Gemetzel zwei grosse Zeiten lang. In der dritten Zeit aber war es Starkfaust, welcher alle Völker vereinte und mit seinem grossen, letzten Krieg sich alles zu eigen machte. Da aber war Morgier verwundert und sprach: "Wie aber soll mein Werk weiter gehen, wenn der Krieg zu einem Ende kommt?" Und so dachte er in seinem Herzen: "Ich will hinausgehen und Starkfaust einen Gegner suchen, welcher im auf ewig die Stirm bieten kann, unbezwingbar für ihn." Und so machte er sich auf und druchsuchte alle Länder nach einem würdigen Gegner. Doch wen er auch fand, sie allen waren durch Starkfausts Auslegung des Gedankenfels der Ansicht, dass der gerechtfertige Krieg den Frieden bringen kann. So suchte er vergebens nach einem Gegner.
- Es kam aber so, dass Blickeslust zu Mordgier kam uns sprach: "Siehe, Starkfaust hat eine Frau, die schönste aus dem Stamme der Löwenhaar, und doch sieht er sie nicht an, weil er nur deinen Krieg im Kopfe hat." Da antwortete Morgier: "Lass mich sie in der Kunst des Kampfes unterweisen, und siehe, er wird an ihr gefallen haben und wird Lust nach ihr haben, wenn sie Teil seines Krieges wird." Blickeslust willigte ein, doch Mordgier verriet ihr nicht seinen ganzen Plan. So kam es, dass Mordgier zu der Frau des Starkfaust kam und sprach: "Siehe, Glimmerglanz, Schönste aus dem Stamme der Löwenhaar: Ich bin gekommen um dich so zu verändern, dass dich dein Mann begehrt. Er aber sieht nur den Krieg, so will ich, Vater des Krieges, dir meine Künste zeigen, so dass dein Mann wieder Augen für dich hat." So wurde Glimmerglanzz zu Glimmerkampf und unbezwingbar im Krieg. Doch der Einfluss von Mordgier weckte ihren Zorn gegen ihren Mann. So kam es, dass Starkfaust zu ihr kmau nd sprach: "Glimmerglanz, ich habe erkannt, dass ich dich vernachlässigt habe, doch nun, da du eine Kämpferin bist, lass mich aus dir ein General meines Heeres machen." Sie aber spach: "Ich aber bin Glimmerkampf. Wieso sollte ich ein General sein, wenn ich anstelle eine Götin sein kann?" So verliess sie ihn. Mordgier aber lachte, da sein Plan aufging.
- So kam es, dass Glimmerkampf die stärksten Krieger sammelte und sprach: "Heute gründen wir einen Orden. Denn Jene die hier sind wissen, dass nicht der Grund, noch die Ursache des Krieges, noch die Gerechtigkeit zum Sieg fürt, denn es ist nur die Kunst des Krieges die zum Krieg fürt. So lasst uns vergessen, weshalb wir in den Krieg ziehen, lasst uns Gerechtikeit und Gründe vergessen, denn sie lenken uns nur ab vom Kampf. Ich aber sage euch, wenn ihr einen Grund bracht um zu Kämpfen, wer mir mehr Köpfe bringt erhält den höchsten Lohn." Und os züchtete sie die gierigsten Söldner herbei, welche die Welt je gesehen hatte und wurde zur Botschafterin von Mordgier.
Raubfeder, Botschafter von Schattenhand
- Schattenhand ging hinauf auf das Steingerippengebirge und suchte nach dem Nest des Federpracht, um diesem ein Ei zu stehlen. Den ihr Wesen gebat ihr alles zu stehlen, was Wert hatte und gut bewacht war. Wie unsichtbar schlich sie neben den Flügeln des Federpracht vorbei und stahl ihm ein Ei. Erst einige Tage später, als sie von einem weiteren Beutezug nach Hause kam, entdeckte sie, dass das Ei zersplittert und leer war. Daraus geschlüpft war Raubfeder, wie sie ihn nannte. Weil sie nichts besseres wusste, zeigte sie ihn schon früh, wie man sich nimmt, was anderen gehört und er war der erste Raubvogel. Und Schattenhand erkannte in ihm einen Diener. So sandte sie ihn aus, ihr die Dinge zu bringen, welche zu hoch in Türmen und auf kantigen Bergen versteckt waren. Und er brachte ihr alles, was sie verlangte.
- Es kam aber so, dass Raubfeder auf einem Streifzug gefangen genommen wurde. Sie aber hatte erbarmen mit ihm, da er ihr wie ein Sohn geworden war und wollte ihn befreien. Als sie an seine Gefängniszelle schlich und vor dem verschlossenen Gitter stand, fragte sie: "Wo aber ist der Schlüssel, dass ich ihn stehlen und ich befreien kann?" Da war Raubfeder traurig und sprach: "Es gibt keinen zu dieser Zelle, denn er wurde absichtlich zerstört, damit ich nicht entkommen kann." Da aber steckte Schattenhand einen Finger in das Schloss und drehte ihn zu jener Stelle, aufdass die Tür aufging. Raubfeder war frei, doch Schattenhands Finger war abgebrochen.
- Raubfeder aber nahm den Finger und flog hinauf zum Turm des Erzschmiedes und sprach: "Erzschmied, du bist älter als die Monde am Himmel, sage mir, kannst du mir diesen Finger aus einem Erz nachschmieden, um ihn an die Hand meiner Mutter zu heften, auf dass sie wieder eine ganze Hand hat?" Er aber nickte und tat es sogleich. Als Raubfeder den geschmiedeten Finger zu Schattenhand brachte sprach er: "Siehe Mutter, dein altes Finger war nicht zu retten, doch ich habe dir einen neuen hergestellt." Sie nahm dankend an und sprach: "Danke, Raubfeder, du bist wahrlich ein guter Sohn und ein Treuer diener. Ich aber bitte sich um einen Diebstahl um deinetwillen: Gehe erneut zum Turm des Erzschmieds und stehle die Pläne des Fingers und bringe sie hierher." So kam es, dass er die Pläne stahl, so dass sie sprach: "Du aber sollst mein Botschafter werden: Erschaffe viele dieser Finger und bringe sie den Menschen, damit es kein sicheres Haus, keine Sichere Truhe und kein sicherer Käfig mehr geben soll." Und so wurde Raubfeder Botschafter von Schattenhand.
Mondblüte, Botschafterin von Narrentrunk
- Als Narrentrunk im Sichtreich ankam, wehrte er sich gegen den Befehl seines Vaters, den Menschen schaden zuzufügen, denn er war stehts nur damit beschäftigt, es sich gut gehen zu lassen. So pflanzte er am ersten Tag seiner Ankunft Trauben an und lag zu jeder Zeit im Schatten der Bäume um sich auzuruhen. Da aber befahl ihm sein Vater: "Du bist zu faul, um im Sichtreich unsere Herrschaft voran zu treiben." Narrentrunk aber störte sich daran und dachte in seinem Herzen: "Wozu soll ich mich hier in dieser Welt abmühen? Wenn ich schlafe, so lebe ich doch auch und keien Arbeit, weder gut noch böse muss getan werden, denn ich interessiere mich nicht für den Konflikt meines Vaters." So legte er sich hin und schlummerte alle drei grossen Zeiten im ewigen Kreis und lebte zu jener Zeit nicht im Sichtreich, sondern in er Welt des Traumes.
- Es kam aber so, dass die Traumwelt erschüttert wurde, da der Herr des Traumes, Liebestraum traurig war, da er keine Frau hatte. So hielt es Narrentrunk nicht mehr aus zu schlafen und wachte auf. Während der Zeit, da er schlief war aber der Saft der Trauben zu Wein geworden. Und als er davon trank, siehe, sah er sich zurückversetzt in die Träume. Doch der Schmerz von Liebestraum rumorte am nächsten Morgen in seinem Kopf, so dass er sprach: "Dieser Wein ist das höchste Gut, was ich hier im Sichtreich habe, doch es bringt die Schmerzen des Liebestraum mit sich. Was kann ich tun, damit Liebestraum erträglicher ist?" Da aber hörte er davon, das Liebestraum nach einer Frau suchte, und so kam es, dass Narrentrunk sprach: "Es ist meines Vaters Werk was ich tue, sondern es ist gut, wenn ich Liebestraum helfe. Ich tue es aber auch nicht um des guten Willen, sondern nur wegen mir selbst, dass ich meine Träume wieder geniessen kann." Und er zog aus, um die schönsten Töchter auf Erden zu suchen. Zu jener Zeit aber waren erst die Pflanzen und Tiere auf der Welt und die schönste unter den Blumen war Goldblüte. So brachte er Liebestraum die Goldblüte und sofort liebten diese sich. So beruigte sich die Welt des Traumes, da ihr Herr nun Goldblüte zur Frau hatte. Und ihre Tochter war Mondblüte, da sie zur Zeit von Narrentrunks Mond auf die Welt kam. Und in ihr schlummerten die Träume, so dass jeder, der ihre Blätter berürte in die Welt ihrer Eltern versetzt war. Und so sprach Narrentrunk zu ihr: "Monblüte, sein meine Botschafterin, vermehre dich und breite dich auf dem Boden der Erde aus, damit du zu finden bist bei der Ankunft der Menschen. Mein Vater will nur ihr verderben, ich aber möchte sie durch dich einladen in die Welt des Traumes, damit sie der Härte des Sichtreich engehen." Und die Menschen kosteten seinen Wein und nahmen die Mondblumen zu sich und viele waren so lange in den Träumen, dass ihr Köper starb und sie nur noch in den träumen lebten. Und so wurde Mondblüte zur Botschafterin von Narrentrunk.
Der Krieg um Licht und Schatten
Und ich sah, wie die zu allen grossen Zeiten, ob Dämmerung, Sonne oder Abend, die Nacht nach jedem Tag kam und die Monde die Menschen in den Tod fürten. Und viele der Sterne waren trügerisch, denn es war Krieg in der Anderswelt. Und die Menschen lebten und starben als Sklaven der Schatten. Bis der Morgenstern aufging und Licht brachte, und selbst in der Nacht ein wahres Licht von sich gab. Da machte sich Lichterpracht auf, und gegegnete ihm, als er Mensch geworden war und sprach: "Bist du nun gekommen, um im Sichtreich, meinem Reich, als Sklave zu leben und zu sterben? Bekenne, dass ich das Licht bin, und ich gebe dir alle Macht." Morgenstern weigerte sich und sprach: "Nicht dir, sondern dem Allereinzigsten gehört die ganze Welt. Du aber leuchtest nicht, sondern reflektierst nur, was die Sonne dich anscheint, du aber selbst bist dunkel im tiefsten Herzen." Da wich Schattenfluch von ihm und rief die Schatten zusammen und sprach: "Lasst uns den Morgenstern gefangen nehmen im grossen Graben, in der dunkelsten Stelle der Welt und ihn dort zum Schweigen bringen." Und so kam es, dass Schattenfluch und seine Söhne und Töchter sich zusammentaten und einen Plan ausheckten, ihn von den Menschen hinrichten zu lassen. Es war als der Tag zur Nacht wurde und die Sonnenfinsternis hoch am Himmel stand, als der Morgenstern von den Menschen hinuntergworfen wurde in den grossen Graben. Dort wurde er von den Totengeistern gefangen genommen und eingesperrt in den Tiefen der Stadt der Toten. Und es war als würde die Sonne nicht mehr aufgehen am nächsten Morgen, da der Morgenstern der Sonne sonst immer vorausgieng.
Morgensterns Rückkehr
Dann aber sah ich, wie Morgenstern hinaustrat aus dem grossen Graben, und seine Handgelenke waren aufgerissen von den Ketten des Todes, doch er war frei. Und die Sonne ging auf. Er kam zurück zum heiligen Berg und hinter sich zog er in Ketten die Monde, welche er hinab warf in den Graben als er sprach: „Nun, die ihr andere um euretwillen den Tod gestürzt habt, stürzt ihr nun wegen eurem Willen in den Tod.“ Und er übergab sie der Herrschaft Zwiegestalts und sprach zu diesem: „Nun aber, da du nicht mehr Sklave dessen bist, der die Völker verführt, sollst du wieder in den Dienst der Allereinzigsten treten und wie früher Wächter werden, um die Menschen zu beschützen, nicht mehr um sie zu fangen. Und der Siegeszug kam hinauf zum Tempel und siehe, die Menschen waren zum ersten Mal im Tempel erschienen und staunten ab dem Licht. Da aber sprach der Allereinzigste: „Du warst erfolgreich, wie ich sehe. So nehme Platz auf dem Thron. Und Morgenstern setzte sich an die Stelle an der der Allereinzigsten sass, und so wurde Der Morgenstern und die Morgenröte erneut zum Allereinzigsten. Denn er ist der Allereinzigste. Und die Menschen konnten von jenem Zeitpunkt an auch im Tempel leben, denn selbst ein Teil des Allereinzigsten war nun ein Mensch.
Das Ende der Welt
Dann aber sah ich, wie sich Wildmähne an dem Abend, als die Sonne das letzte Mal unterging durch seine Wälder zurückzog, hin zu seiner Frau Sternenblatt. Sie war schwer krank, denn Wandelerd konnte ihr keine Kraft mehr geben, da die Menschen alle seine Kinder, die Erze aus ihm herausgerissen hatten. So sah er sie mit Tränen an, und fragte: „Wie kann es aber sein, dass wir, die wir bereits vor Entstehung der Menschen herrschten, nun von ihnen vernichtet werden? Wo ist die Ordnung, wie sie war zu der Zeit, als die Erde noch nicht gebebt hat? Aus einer Träne bist du entstanden, in Tränen wirst du nun das Leben verlassen.“ Er hielt sie fest im Arm, doch auch seine Schulter schmerzte, denn die Pfeile der Menschen steckten tief in seinem Fleisch. Und die Welt fiel in die Dämmerung. Und es war der letzte Abend der Welt. Es kamen aber zu jenem Ort die Gehörnten und sprachen: „Wildmähne, grosser Vater. Die Wälder, welche noch nicht dem Hunger der Menschen zum Opfer gefallen waren, aber zogen sich in diese Richtung zurück. Und da wir nun vor dir stehen, sehen wir dass die Bäume hierher geflohen sind. Was aber hat diese kommende Nacht zu bedeuten?“ Wildmähne aber sprach: „Ihr treuen Kinder, seht, was die Menschen uns angetan haben. Sie haben unsere Mutter getötet. Und die Bäume kommen um zu trauern.“ Und die Dämmerung hielt lange an, ohne dass es Nacht wurde, oder der Tag zurückkehrte. Es ward düster, nicht hell und nicht dunkel. Und die Jahre vergingen in diesem Nebel.
Dann aber sah ich, wie die Phantome zum Krieg riefen und sie alle stellten sich an den Grossen Graben, und auf der Seite des heiligen Berges waren viele Menschen in leuchtenden Gewändern in der Farbe der Morgenröte. An forderster Front aber stand Morgenstern und rief: "Nun ist die Zeit, Das Sichtreich zurück zu erobern." Und als er dies Sprach, sah ich wie die Schatten hinuntergerissen wurden in den grossen Graben und das Licht sich über das Sichtreich ausbreitete. Dann aber, als alle Schatten im Graben waren, siehe da schloss sich der graben und Sichtreich und Anderswelt wurden eins. Und ich sah wie alles hell wurde und die Musik der Welt wieder im Einklang war. Doch bevor ich mehr sah, stand Morgenstern vor mir und sprach: "Mehr aber werde ich dir zeigen, wenn der Tag da ist, doch bis dann sollst du dies niederschreiben und verkünden unter meinen Kämpfern: Der Krieg wird kommen und ist schon da. Doch der Krieg ist mein."
